Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

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Der Magdalenenfjord und Gravneset

Die kleine Halbinsel Gravneset im Magdalenenfjord ist umgeben von majestätischen Bergen und riesigen Gletschern. Der Magdalenenfjord gilt als einer der schönsten Fjorde von Spitzbergen. Auf Gravneset liegt einer der größten Friedhöfe der ganzen Inselgruppe, er entstand während der Walfangzeit und umfasst mindestens 130 Gräber. Die Beisetzungen fanden von Beginn des 17. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts statt. Am Strand der Halbinsel finden sich auch die Überreste von vier Tranöfen. Sowohl der Friedhof, als auch die Tranöfen sind von niedrigen Absperrungen umgeben, die nicht übertreten werden dürfen.
Historische Quellen berichten, das Briten zu Beginn der Walfängerzeit den Magdalenenfjord nutzten. Sie errichteten eine Landstation und gaben ihr den Namen Trinity Harbour. Bereits im Jahr 1623 wurde die Station wieder aufgegeben, aber der zugehörige Friedhof wurde weiter genutzt.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Gräberhalbinsel von Touristen besucht. Die Französin Leonie d'Aunet gab der Halbinsel im Jahr 1838 ihren Namen. Ihrer Beschreibung verdanken wir heute ein recht genaues Bild der Situation um 1840. Einige der Särge waren vom Permafrost an die Oberfläche gedrückt worden, viele davon waren halb offen und von Eisbären geleert worden. Andere Gräber waren unversehrt und zwischen ihnen lagen Wal- und Walroßknochen.
Während der ganzen Geschichte Spitzbergens gab es nur wenige Plätze, die so oft und regelmäßig besucht wurden, wie die Gräberhalbinsel - auch heute noch ist sie eine der am häufigsten besuchten historischen Stätten von Spitzbergen. Bereits im Jahr 1932 berichtet der Bergbauinspektor Mercoll in einem Interview mit der Zeitung Aftenposten, dass Touristen die Totenruhe massiv gestört hätten und die sterblichen Überreste zahlreicher Menschen neu bestattet werden mussten. Trittschäden führten über die Jahre zur Zerstörung der Vegetation und im Jahr 1979 glich Gravneset eher einem Campingplatz, als einem Friedhof. Erneut waren viele Gräber von neugierigen Touristen geöffnet worden. Es gab auch immer wieder Berichte über Schiffsbesatzungen oder Touristen, die den Schiffsnamen und andere Schmierereien auf die Felsen rund um Gravneset hinterliesen, die Jagd nach Knochen als Souvenir entwickelte sich fast schon zu einer Sportart. Oft wurden Lagerfeuer mitten zwischen den Gräbern entzündet, nicht selten nutzte man das Holz von Särgen dafür.
Seit einigen Jahren darf die Halbinsel nur noch mit Genehmigung betreten werden und steht unter strengem Schutz.