Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

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Woodfjorden und Seitenfjorde

Der Woodfjorden ist eine Landschaft voller Kontraste. Südlich der flachen Reinsdyrflya erstreckt sich das riesige Fjordsystem bis zu verschiedenen Bergketten unterschiedlicher Geologie, Form und unterschiedlichen Alters. Neben alpin anmutenden Gipfeln aus uralten Graniten gibt es majestätische Berge aus rötlichem devonischen Sandstein und jüngere Gesteine vulkanischen Ursprungs. Gletscher kalben auf breiter Front ins Meer und oft sind Eisbären auf der Jagd nach Robben oder suchen auf kleinen Inseln nach Vogeleiern.

Geologie und Landschaft im Woodfjorden

Die Landschaft rund um den Woodfjorden besticht vor allem durch ihre roten Sandsteine, die vor etwa 360 bis 450 Millionen Jahren entstanden. Die Rorfärbung kommt durch einen hohen Eisenoxidanteil im Gestein zustande. Man vermutet, dass Spitzbergen während der Entstehung der Sandsteine etwa auf Höhe des Äquators lag. In den oberen Sandsteinschichten fand man Fossilien von Fischen, in älteren tiefer gelegenen Schichten auch Fossilien sehr urtümlicher Fische ohne Kieferknochen. Die Berge an der Ostseite des Woodfjorden erreichen eine Höhe bis 1.300m, während die ebene Reinsdyrflye kaum mehr als 100m über dem Meersspiegel liegt. Sie ist die größte Strandterrasse von ganz Spitzbergen.
Durch das ganze Gebiet ziehen sich große Verwerfungszonen in Nord-Süd-Richtung. Die alpin anmutenden Berge westlich des Liefdefjorden und Bockfjorden bestehen aus kristallinem Grundgestein sehr hohen Alters.
Südlich des Bockfjorden liegen die Reste von drei Vulkanen - Sverrefjellet, Sigurdfjellet und Halvdanpiggen. Sverefjellet liegt nahe der Thermalquellen von Jotunkjeldene. Die Kegelform des Sverrefjellet erinnert an rezente Vulkane, obwohl er von den Gletschern der Eiszeit überformt wurde. Die Vulkanberge bestehen überwiegendaus porösem Basalt, der Einschlüsse von Tiefengestein enthält, dass während der Ausbrüche mit der Magma an die Oberfläche transportiert wurde.

Spitzbergenkreuzfahrt -  Jotunkjeldene
Thermalquelle Jotunkjeldene.

Vegetation im Woodfjorden

Die Vegetationsform im in den höheren Lagen des Woodfjorden und seiner Umgebung gehört zur arktischen Wüste, die durch den Spitzbergenmohn (Papaver dahlianum) charakterisiert wird. Auf der Reinsdyrflya wird die Vegetation der hocharktischen Tundra zugeordnet, hier ist das Alpen-Rispengras (Poa alpina) weit verbreitet. Auch auf der gegenüberliegenden Fjordseite bei Grahuken findet man diese Vegetationsform mit einigen bedrohten Pflanzenarten.
Im südlichen Teil des Liefdefjorden und im östlichen Woodfjorden herrscht in tiefer gelegenen Gebieten eine eher wärmeliebende Vegetationsform vor. Hier ist die Schuppenheide (Cassiope tetragona) weit verbreitet. Das Gebiet wird wie ein Teil des Woodfjorddalen der mittleren arktischen Tundra zugerechnet. Ein weiteres Gebiet mit eher wärmeliebenden Pflanzen erstreckt sich rund um die Thermalquelle Trollkjeldene nahe des Bockfjorden. Sechs Gefäßpflanzen gedeihen in einem Gebiet von rund 1.000qm rund um die Quellen, außerdem sechs Moosarten und eine Art Armleuchteralgen, die sonst nirgends auf Spitzbergen wächst. Die einmalige Vegetation ist sehr empfindlich und das Gebiet um die Quellen sollte nicht betreten werden.

Spitzbergen - Moos
Moose im Bereich der Thermalquellen.

Tierleben im Woodfjorden

Der Woodfjorden zeichnet sich durch ein vielfältiges Tierleben aus. Das ganze Jahr über halten sich Eisbären in der Gegend auf, besonders viele in den Frühjahrsmonaten, wenn das Fjordeis vor den Gletschern leichte Beute verspricht. Das Eis hält sich relativ lange und das Fjordsystem bietet so gute Lebensbedingungen für Ringelrobben, die auf dem Eis ihre Jungen gebären und sich paaren. Es werden auch jedes Jahr Eisbärenmütter mit einjährigen Jungen beobachtet. Man vermutet deshalb, dass die Gegend gut für Schneehöhlen geeignet ist, in denen die Eisbären ihre Jungen zur Welt bringen. Im Sommer streifen die Bären dann oft auf den kleinen Inseln umher und sind auf der Suche nach Vogeleiern.
Auf Reisndyrflya lebt eine relativ große Rentierpopulation, die allerdings nicht mehr die Größe früherer zeiten hat. Die Gesamtzahl wird auf rund 300 Tiere geschätzt, im östlichen Woodfjorden leben rund 150 weitere Rentiere. Auch der Polarfuchs findet gute Lebensbedingungen. Besonders in der Nähe von Vogelfelsen sind die Tiere oft zu finden.
Früher brüteten mehrere tausend Eiderenten auf den Inseln im Liefdefjorden. Ihre Zahl ist aber deutlich zurückgegangen, nicht zuletzt, weil die Nester von Eisbären geplündert wurden. Auch Küstenseeschwalben, Raubmöwen, Eismöwen und Dreizehenmöwen brüten hier. Bekannt ist der Vogelfelsen Hornbaekpollen mit seiner großen Dreizehenmöwenkolonie, weitere kleinere Kolonien liegen an der Westseite des inneren Woodfjorden sowie bei Mushamna. Reinsdyrflya ist eine der bedeutensten Brutgebiete der Prachteiderenten auf ganz Spitzbergen, man schätzt ihre Gesamtzahl auf über 1.000. Rund um die kleinen Tümpel der Reinsdyrflye halten sich oft Sterntaucher und Thorshühnchen auf. Auf der Insel Makeoyane im Liefdefjorden gibt es eine Kolonie Kurzschnabelgänse und gelegentlich kann man sogar die seltene Ringelgans beobachten. Auch Schneeammern und Schneehühner sind immer wieder zu sehen und Meerstrandläufer suchen im Uferbereich hektisch nach Futter.

Spitzbergenreise - Rentiere
Rentiere

Geschichte

Der Woodfjorden war Walfängern schon früh im 17. Jahrhundert bekannt. Bereits 1614 nannte der englische Walfänger Robert Fortherby den Fjord "Wiches Sound". Wenige Jahre später zeichnete der englische Händler und Walfänger Thomas Edge die Küstenregion und die Fjordmündung in seine Landkarte ein. Bei den holländischen Seefahrern war der Fjord als Liefdefjord bekannt. Auf der flachen Reinsdyrflya finden sich einige Zeugnisse regelmäßiger Besuche in der Walfangära, darunter Gräber aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Tranöfen oder Reste von Gebäuden aus der Walfangzeit sind nicht bekannt.
Nachdem die Walfänger abgezogen waren, kamen die russischen Pomoren in die Gegend. Als Jäger und Fallensteller waren sie es gewohnt, in Kälte und Dunkelheit zu überleben. Reste der Jagdstationen und andere Spuren sind an verschiedenen Stellen im Woodfjorden zu finden. Auch aus der Zeit der norwegischen Jäger und Fallensteller des 19. und 20. Jahrhunderts finden sich noch Spuren. Sie sind mit teils dramatischen Geschichten verbunden. Einige Hütten aus dieser Zeit sind nur noch Ruinen, andere sind gut erhalten.

Mushamna

Im äußeren Teil des Woodfjorden steht am Ostufer gegenüber der Mündung des Liefdefjorden eine gut ausgestattete Jägerhütte aus Treibholz. Sie wurde bis in jüngere Zeit von Trappern genutzt, die die Hütte vom Sysselmann (Gouverneur) jeweils für ein Jahr mieten können. Wenn die Hütte bewohnt ist, müssen Besuche von Kreuzfahrtschiffen vorher mit dem Mieter abgesprochen werden. Die Hütte wurde 1987 von Reidar Hovelsrud errichtet. Im Vergleich zu alten Jägerhütten ist sie ungewöhnlich groß. Sie verfügt über einen Vorraum zum Aufhängen von Fleisch und Fellen, einen Raum in der Mitte, der als Werkstatt genutzt wird und einen inneren Teil mit Küche, guter Stube und Schlafstelle. Im Jahr 1997 wurde die Hütte an den norwegischen Staat verkauft.
Von Mushamna aus können Jagdausflüge sowohl an Land als auch auf das Eis unternommen werden. Hauptsächlich werden in der Gegend Polarfüchse mit traditionellen Schlagfallen gefangen. Auch Robben, Schneehühner, Gänse und Rentiere werden in kleiner Zahl erlegt. Im Meer und in kleinen Bächen und Teichen kann arktischer Saibling gefangen werden. Das Sammeln von Eiderdaunen ist den Jägern erlaubt, wird aber wenig praktiziert.