Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

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Sorgfjorden

Der Sorgfjorden liegt im Nordosten von Spitzbergen am Eingang zu Hinlopenstraße. Er wird umgeben von ausgedehnten Strandterrassen, im Südosten erhebt sich der markante Berg Heclahuken. Der Sorgfjorden bietet gute Ankerplätze, die durch Eolusneset im Westen und Crozierpynten im Osten geschützt sind.
Schon um 1600 wussten Walfänger um die gut geschützten Ankerplätze, aber auch die oft schwierigen Eisbedingungen waren schon bekannt. Treibeis kann oft völlig überraschend vom Norden her in die Bucht treiben und Schiffe und Besatzungen für Monate einschließen, viele Erzählungen berichten davon. So wurden im Jahr 1683 13 holländische Walfänger vom Treibeis in der Bucht eingeschlossen. Sie mussten ihre Schiffe verlassen und den Fang des Sommers zurücklassen. Sie zogen ihre kleinen Schaluppen über das Eis in offenes Wasser und ruderten die Küste entlang, bis sie schließlich in Smeerenburg ankamen. Dort wurden sie von anderen holländischen Walfängern gerettet.
Auch eine andere Geschichte aus dem 17. Jahrhundert hat ihren Ursprung im Sorgfjorden. Im Jahr 1689 brach ein Krieg zwischen Briten und Holländern auf der einen und Franzosen auf der anderen Seite aus. Selbst auf Spitzbergen gab es kriegerische Akte. Der französische Kapitän Antoine d´Arcy de La Varenne erhielt den Auftrag, nach Spitzbergen zu segeln und dort alle feindlichen Schiffe unter englischer, holländischer und hamburger Flagge zu versenken. Der Fang sollte als Kriegsbeute beschlagnahmt werden. Vier Schiffe brachen nach Norden auf und starteten einen regelrechten Feldzug. Schließlich sammelten sich 40 holländische Walfangschiffe und griffen zwei der französischen Fregatten im Sorgfjorden an. Der Kampf dauerte viele Stunden und schließlich flohen die Walfänger, die ihre Schiffe mit Hilfe der Ruderboote aus der Bucht zogen. Die Franzosen konnten ihnen nicht folgen, da ihre Ruderboote während des Gefechts zerstört wurden. Trotzdem konnten die Franzosen 13 holländische Schiffe festsetzen. Nachdem sie zwei der Schiffe in Brand gesteckt hatten, konnten sie mit 11 Schiffen als Kriegsbeute die Bucht verlassen. Trotz des heftigen Gefechts gab es nur wenige Tote, französische Quellen sprechen von 2 Opfern.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Sorgfjorden von verschiedenen wissenschaftlichen Expeditionen besucht. Besonders sind hier die Expeditionen von Parry (1827) und die schwedisch-russische Meridianbogen-Expedition (1899-1900) sowie die deutsche Schröder-Stranz Expedition (1912 - 1913) zu erwähnen.
Am Crozierpynten stehen noch Ruinen der Einrichtungen, die von der schwedischen Expedition errichtet wurden. Hier überwinterten die schwedischen Wissenschaftler Jäderin, Rubin, Westman, Fraenkel und der Arzt Dr. Torgersruud zusammen mit 8 weiteren Männern im Winter 1899/1900. Viele Plätze auf Nordaustlandet sind nach Mitgliedern der Expedition benannt. Nachdem die Schweden die Station verlassen hatten, verfielen die Gebäude.