Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

Header-Slider

Kongsfjorden und Krossfjorden

Im Kongsfjorden liegt der ehemalige Bergbauort Ny Alesund, der heute als internationaler Forschungsstandort genutzt wird. So hat sich ein pittoreskes Nebeneinander alter und moderner Gebäude entwickelt. Am Ende des Fjordes kalben mächtige Gletscher ins Meer, eingerahmt von charakteristischen Bergformationen. Am nördlichen Kongsfjorden liegt London, das noch heute an die fehlgeschlagene Exploration von Mineralienvorkommen erinnert. Noch weiter im Nordwesten liegt der Krossfjorden mit seinen Gletschern und Vogelfelsen sowie den Relikten aus der Zeit der Walfänger, Jäger und des zweiten Weltkrieges.

krossfjorden kongsfjorden signehamna moellerhamna london fjortende_julibukta ny_alesund spitzbergen_uebersicht richardlaguna engelsbukta

Geologie und Landschaft

Zum Gebiet des Kongsfjorden zählen neben dem Kongsfjorden und dem fast gleichen großen Seitenfjord Krossfjorden einschließlich des Möllerfjorden und des Lilliehöökfjorden auch der Forlandsundet nördlich von Sarstangen. Der westliche Teil des Forlandsundet gehört zum Forlandet Nationalpark, der Krossfjorden und seine Umgebung liegen im Norvest-Spitsbergen Nationalpark. Zudem sind 4 Naturschutzgebiete in diesem Gebiet ausgewiesen.
Der Kongsfjorden besticht durch seine großartige Landschaft. Die spektakulären Gebirgszüge spiegeln die verschiedenen geologischen Perioden wieder. Die Insel Bröggerhalvoya liegt in einem Gebiet von Spitzbergen, das durch große Überschiebungen gekennzeichnet ist, die im frühen Tertiär entstanden, als Grönland schräg gegen Spitzbergen gepresst wurde. Dabei schoben sich sehr alte Gesteinsschichten über jüngere. Dies ist z.B. deutlich am nördlichen Fuß des Zeppelinfjellet zu sehen. Die Bergspitzen an der Südseite des inneren Kongsfjorden bestehen aus jüngeren Sedimentgesteinen aus dem Karbon und Perm. Die pyramidenförmigen Spitzen der Tre Kroner gehören zu den auffälligsten Formationen mit Gesteinsschichten aus dem Karbon, die über schwach gefalteten devonischen Gesteinen liegen.
Rötliche Sandsteine, die aus Wüstensand entstanden sind, streichen unterhalb der Vogelfelsen von Stuphallet zwischen Brandalpynten und Kongsfjordneset aus. Auch rund um den Bröggerbreane-Gletscher südlich von Ny Alesund ist der Sandstein zu sehen. Der Sand wurde abgelagert, als Spitzbergen auf dem gleichen Breitengrad lag, wie heute Nordafrika. Durch abgetragenen Sandstein werden viele Gletscherflüsse der Gegend rötlich gefärbt.
Die Nordseite des Fjordes ist charakterisiert durch metamorphe Grundgesteine wie Marmor und Glimmerschiefer. Ein breiter Gürtel aus Marmor und Dolomit erstreckt sich ausgehend von der Insel Blomstrandhalvoya nordwärts und ist durchzogen von kleinen Löchern und Höhlen - ein typische Karstlandschaft. Die Insel Blomstrandhalvoya wurde bis in die 1990er Jahre für eine Halbinsel gehalten, erst als sich der Gletscher Blomstrandbreen zurückzog, erkannte man sie als Insel.
Am inneren Ende des Fjordes erreichen vier große Gletscher das Meer - der Kongsbreen, der Kronebreen, der Kongsvegen und der Conwaybreen. Die Halbinsel Bröggerhalvoya an der Südwestseite des Kongsfjorden ist durch Berge mit einer Höhe von rund 700m sowie sieben Gletscher geprägt, die das Meer nicht erreichen. Ganz im Westen der Halbinsel liegt die Kvadehuksletta, eine ausgedehnte Strandplatte mit alten Ablagerungen aus dem Küstenbereich, die als kleine Erhöhungen erkennbar sind. Einige der Ablagerungen entstanden bereits vor 130.000 bis 290.000 Jahren.
Nördlich des Kongsfjorden liegt der von hohen Bergen umgebene Krossfjorden mit fünf Gletschern, die bis ans Meer reichen. Der Hauptfjord teilt sich nach rund 20km an der Halbinsel Kong Haakons Halvoy. Der Lilliehöökfjorden bildet den westlichen Arm, der Möllerfjorden den östlichen.

Spitzbergen - rötliche Sedimente
Durch Sedimente rötlich gefärbter Bach.

Vegetation

Der innere Kongsfjorden ist wegen der klimatischen Verhältnisse eines der fruchtbarsten Gebiete von ganz Spitzbergen. Es gilt als eines der artenreichsten Gebiete für Gefäßpflanzen auf der ganzen Inselgruppe. Wichtige und weit verbreitete Arten sind der Zarte Haarschlund (Comastoma tenellum), der Wimpernfarn (Woodsia glabella), die Zweiteilige Schuppensegge (Kobresia simpliciuscula) und das Kleine Sandkraut (Arenaria humifusa). Im Fjordgebiet gibt es große Vogelkolonien mit ausgedehnten darunter liegenden grünen Flächen. Die flachen Landschaftsbereiche sind gepägt von Moorflächen mit Silberwurzbeständen (Dryas octopetala) und Vierkantiger Schuppenheide (Cassiope tertragona).

Spitzbergenkreuzfahrt - Silberwurz
Silberwurz

Tiere im Kongsfjorden

Im Gebiet des Kongsfjorden und des Krossfjorden liegen zahlreiche Vogelkolonien, insgesamt leben dort mehreren tausend Seevögel. Auf dem Weg Richtung Ny Alesund passiert man den Felsen Stuphallet mit einer größeren Kolonie Eissturmvögel, Dreizehenmöwen und Papageitaucher. Auf den zahlreichen Inseln und Schären des Fjordes brüten viele Eiderenten (1.000 - 4.500 Brutpaare) und etwa 250 - 300 Paare Nonnengänse. Die Inseln sind seit 1973 Vogelschutzgebiete. Im Vogelschutzgebiet Blomstrandhamna nisten neben Eiderenten auch Kurzschnabelgänse und Nonnengänse. Auch im Schutzbegbiet um Kap Guissez gibt es eine große Kolonie Eiderenten.
Eine große Vogelkolonie liegt in der Fjortende Julibukta bei Casimir-Perrierkammen. Hier brüten neben zahlreichen Eissturmvögeln auch Dreizehenmöwen, Gryllteiste, Dickschnabellummen und Papageitaucher. Weitere Vogelfelsen finden sich in an den Bergen von Generalfjella, südlich der Bucht Tinayrebukta, im Kollerfjorden, an Nilspynten an der Westseite des Lilliehöökfjorden und bei Willeberget in der Ebeltofthamna. Räuberische Eismöwen und Polarfüchse sind oft im Bereich der Vogelkolonien anzutreffen. Neben den genannten Arten sind auch Alpenschneehühner, Skuas, Küstenseeschwalben, Prachteiderenten, Schneeammern, Sterntaucher, Meerstrandläufer und Eisenten im Krossfjorden verbreitet.
An mehreren Stellen kalben Gletscher im Kongsfjorden ins Meer und locken Ringelrobben und Bartrobben an. Insbesondere Bruchstücke von Gletschereis, die in den Fjorden festgefroeren sind, dienen weiblichen Ringelrobben im März und April als Geburtsplätze für ihre Jungen. Auch während der Paarungszeit von Mai bis Juli halten sich Ringelrobben bevorzugt auf dem Eis auf, um leichter einen Partner zu finden und um Energie zu sparen. Auch Bartrobben bringen ihre Jungen hier zur Welt und halten sich dann bis in den Sommer im Fjordsystem auf. In den letzten Jahren haben sich Forscher im Gebiet des Kongsfjorden intensiv mit Ringelrobben und Bartrobben beschäftigt.
Auf der Halbinsel Bröggerhalvoya wurden im Jahr 1978 Rentiere wieder angesiedelt, nachdem sie einige Jahrzehnte vorher ausgerottet worden waren. Die zunächst nur aus 15 Tieren bestehende Population vergrößerte sich dank eines guten Nahrungsangebotes und geringer Wintersterblichkeit rasch und zählte 1993 bereits 375 Tiere. Im folgenden sehr strengen Winter kam es aber zu großen Verlusten, einige Tiere wanderten auch in andere Gebiete ab und die Population zählte nur noch etwa 75 Individuen. Seitdem schwankt die Zahl der Tiere zwischen 100 und 200.

Spitzbergenkreuzfahrt - Nonnengänse
Nonnengänse

Historischen Stätten im Kongsfjorden

Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Kongsfjorden von westeuropäischen Walfängern genutzt. Sowohl entlang des Kongsfjorden, als auch entlang des Krossfjorden gibt es mehrere geschützte historische Stätten. An der Mündung der Tinayrebukta im Krossfjorden liegt Camp Zöe, eine von Henry Rudi im Jahr 1911 errichtete Hütte. Die Hütte des Trappers wurde vermutlich nach der Tochter von Ernest Mansfield benannt, der die Landnutzungsrechte hielt. Henry Rudi überwinterte in der Saison 1911/1912 auf Ebeltofthamna und nutzte die neu errichtete Hütte auf der anderen Fjordseite als Außenstation. Rudi war Angestellter der Northern Exploration Company NEC und überwachte das von der NEC beanspruchte Gebiet. Sein Lohn waren 50 Kronen monatlich, außerdem durfte er die Hälfte seiner Jagdbeute selbst verkaufen. Trapper arbeiteten bis 1932 regelmäßig als Wachleute für die NEC, um deren Gebietsansprüche bei Ebeltofthamna und Londen zu wahren. Während der ganzen Zeit diente Camp Zöe dabei als Außenstation. Die Hütte ist bis heute in gutem Zustand und wird von der Verwaltung von Ny Alesund genutzt.
Um Ebeltofthamna ist ein umfassender Blick in die Geschichte und das kulturelle Erbe Spitzbergens möglich. Um die Bucht herum finden sich Spuren aus allen historischen Perioden und damit ist sie ein gutes Beispiel für einen Platz, der wegen seiner guten natürlichen Gegebenheiten über die Jahrhunderte hinweg immer wieder besucht und genutzt wurde. Nicht nur guter Ankergrund und die windgeschützte Lage, sondern auch Jagdmöglichkeiten sowie ausreichend Trinkwasser und große Mengen Treibholz, das als Baumaterial und Feuerholz genutzt wurde, waren hier wie andernorts auf Spitzbergen gute Voraussetzungen für menschliche Aktivitäten. Neben den Überresten der ältesten englischen Walfangstation Spitzbergens findet man auch Spuren russicher Jagdstationen, Gräberfelder, Reste einer deutschen geophysikalischen Station aus dem Jahr 1910 sowie norwegischer Jägerhütten. Um die historischen Spuren zu schützen, ist es verboten, in diesem Gebiet anzulanden.
Weiter im Inneren des Kongsfjorden gibt es noch mehrere Hütten und Überreste von Hütten. Besondere Erwähnung verdient die Hütte auf der Schäre Storholmen, die als Ferienhaus für Ernest Mansfield gebaut wurde. Auf der Schäre Juttaholmen steht eine 1954 von Victor Walle und Einar Sletten gebaute Hütte, Tyskerhytta wurde 1965 von Forschern aus der damaligen DDR errichtet.

Spitzbergen - Nordpolexpedition Amundsen
Tafel zum Gedenken an die Nordpolexpedition von Roald Amundsen.