Logo Eisbär

Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

Logo Eisbär

Expeditionsseereisen ins Reich der Eisbären

Header-Slider

Hornsund

Majestätische Gipfel und die dramatische Fjordlandschaft machen einen Besuch im Hornford zu etwas Besonderem. Die höchsten Berge sind oft in Nebel gehüllt, aber mit etwas Glück kann man einen Blick auf den 1.431m hohen Hornsundtind erhaschen. Hornsund ist der südlichste Fjord von Spitzbergen und liegt im Südspitzbergen-nationalpark. Die Spuren menschlicher Aktivitäten der vergangenen 400 Jahre sind überall im Fjord zu finden.

isbjoernhamna gnalodden treskelen gashamna spitzbergen_uebersicht

Geologie und Landschaft

Im Hornsund liegen unterschiedlichste Landschaftsformen und geologische Strukturen in unmittelbarer Nähe zueinander. Alte Gesteine dominieren im Westen, die Kalksteine wurden vor rund 500 Millionen abgelagert als das Gebiet unter dem Meeresspiegel lag. Für die Küstengebiete nördlich und südliches des Hornsund sind die großen, breiten Strandterrassen typisch. Vor der Westküste liegen viele Felsen knapp unter der Meeresoberfläche, Untiefen sind trotz moderner Navigation noch eine Herausforderung und nicht zuletzt der permanente Schwall aus der Grönlandsee machen Anlandungen schwierig.
Etwa auf halbem Weg in den Fjord erhebt sich eine mächtige alpine Landschaft mit dem Hornsundtind im Süden und den Bergketten Sofiekammen und Gnalberget im Norden. Noch weiter fjordeinwärts ist die Landschaft weniger dramatisch, sie wird geprägt von eher abgerundeten Bergen geringerer Höhe. Während der letzten Eiszeit war der Hornsund mit Eis angefüllt, in der Burgerbukta und Samarinvagen kalbten Auslassgletscher enormer Größe. Das Fjordgebiet ist ein gutes Beispiel für Landschaften, die von Gletschern geformt wurden und deren geologische Strukturen im Zusammenspiel mit den Gletschern die Basis für das heutige Landschaftsbild ergaben.
Die Geologie im Hornsund ist äußerst komplex. Der Berg Hornsundtind besteht aus 500 Millionen Jahre altem Gestein, ebenso Sofiekammen und Gnalbergent. Bei Treskelden haben die Carbonatgesteine eine charakteristische gelbe Verwitterungsfarbe. Sandsteine und Kongolmerate enthalten hier Fossilien, die etwa 275 Millionen Jahre alt sind. Alle Formationen bei Treskelen wurden gefaltet, schräggestellt und nach Osten verschoben, als vor etwa 50 Millionen Jahren ein Bergkette aufgefaltet wurde.
Brepollen ist eine der eindrucksvollsten Gletscherbuchten ganz Spitzbergens. Noch vor wenigen Jahrzehnten bildeten die Gletscher Storbreen, Honrbreen und Chomjakovbreen eine durchgehende gemeinsame Gletscherfront. Topographische Karten aus dem Jahr 1936 dokumentieren dies. Heute bilden die Gletscher getrennte, aber immer noch sehr eindrucksvolle Fronten. Die Gletscher Mendelejevbreen und Svalisbreen waren einst Teile des Hornbreen und bilden heute ebenfalls eigenständige Gletscherfronten. Westlich von Bautaen, einer monolithischen 487m hohen Bergspitze, hat sich der Chomjakovbreen so weit zurückgezogen, dass die Bucht Svovelbukta entstand. Östlich von Breepollen wird die Landschaft flacher und steht in deutlichem Kontrast zu den scharfen Bergspitzen im Westen. Die Berge bestehen hier hauptsächlich aus horizontal liegenden Sandsteinschichten und Schiefer, die zwischen 100 und 130 Millionen Jahre alt sind.

Vegetation im Hornsund

Die Vegetation im Honrsund ist wenig produktiv, von einigen Ausnahmen abgesehen. Rund um den Fjord findet man hauptsächlich die Vegetationsform der nördlichen arktischen Tundra. In den mittleren Fjordabschnitten dominiert die saure Tundravegetation mit der Hainsimse (Luzula confusa) als Charakterart. Von der polnischen Forschungsstation in Isbjörnhamna nordwärts bis etwa Hyttevika gedeiht die Moostundra insbesondere unterhalb der Vogelfelsen. Das Gebiet ist ein wichtiger Rastplatz für Gänse. In den höher gelegenen Regionen herrscht die vegetationsarme Polarwüste vor, die Strandterrassen nördlich des Hornsund sind von Tundravegetation bewachsen, die Strandterrassen südlich sind eher von moorartigem Charakter.

Spitzbergenreise - Polarwüste
Vegetationsarme Polarwüste

Tierleben im Hornsund

Der Hornsund ist dank seiner geröllreichen Hänge eines der beliebtesten Brutgebiete der Krabbentaucher. Mit den reichen Vorkommen an Plankton und Kleinkrebsen sind der Hornsund und die Gewässer westlich davon eine fast unerschöpfliche Speisekammer für Krabbentaucher. Bei Ariekammen liegt die wohl größte Krabbentaucherkolonie Spitzbergens, man schätzt sie auf deutlich über 100.000 Individuen. Auch Eissturmvögel brüten in einige Kolonien, u.a. am Gnalodden und Sofiekammen, sowie am Luciapynten in der Burgerbukta und bei Krykkjestupet nache der Gashamna. An den gleichen Plätzen nisten auch Dreizehenmöwen und Dickschnabellummen. Die Inseln Dunoyane und Isoyane sind wichtige Brutgebiete der Weißwangengans und der Kurzschnabelgans und bereits seit 1973 als Vogelbrutgebiete geschützt. Vor allem während der Brutzeit im Juni sollte das Gebiet gemieden werden, da die Gänse schnell aufgeschreckt werden und die unbewachten Eier leichte Beute für Polarfüchse und Eismöwen sind. Eismöwen und Küstenseeschwalben brüten in recht großer Zahl ebenfalls auf der Dunoyane, Eiderenten nisten in vielen Küstenabschnitten des Hornsund.

Spitzbergenkreuzfahrt - Krabbentaucher
Krabbentaucher

Das Eisbärenkarussell zwischen Hornsund und Storfjorden

Im Hornsund sind aus verschiedenen Gründen sehr häufig Eisbären zu finden. Nicht zuletzt locken zahlreiche Ringelrobben, die ihre Jungen im Frühjahr auf dem Fjordeis zur Welt bringen, die Raubtiere an. Die Eisbären kommen auch im Spätherbst in den Hornsund, wenn im Osten von Spitzbergen das Meer gefriert. Aus welcher Richtung die Bären einwandern, hängt davon ab, wo sich das Eis zuerst bildet und in welche Richtung es treibt. Oft gelangen die Eisbären auf Eisschollen, die das Südkap von Osten kommend umrunden von Westen in den Hornsund und setzen ihren Weg über den Hornbreen bis zurück an die Ostküste fort. Bereits der Trapper Helge Ingstad beschrieb diese Wanderungen, sie wurden durch Satellitendaten bestätigt.

Spitzbergen - Eisbären
Eisbären auf Wanderung.

Geschichte

Die Meridianbogen-Expedition

Ende des 19. Jahrhunderts starteten schwedische und russische Wissenschaftler eine groß angelegte Expedition, um die exakte Form der Erde zu ermitteln. Insbesondere wollten die Forscher herausfinden, ob die Erde an den Polen tatsächlich flacher ist. Spitzbergen wurde dabei wegen seiner nördlichen Lage als optimaler Forschungsstandort ausgewählt. Über fünf Perioden hinweg führten die Wissenschaftler trigonometrische Messungen entlang der Ostküste von Spitzbergen zwischen Sörkapp und Sjuoyane durch, dies entspricht einer Distanz von 4 Längengraden. Das Forschungsprojekt umfasste auch eine Überwinterung im Hornsund und im Sorgefjorden im Winter 1899 / 1900.
Die Messwerte wurden ausgehend von einer Reihe von Triangulationspunkten auf Bergspitzen gewonnen, die eine lange Kette bildeten. Wichtig war dabei die freie Sicht vom einen zum nächsten Messpunkt. Wenn die Länge eines Meridiansegments in einem Breitengradintervall größer war, als die Länge in einem gleichgroßen Breitengradintervall weiter südlich, deutete dies darauf hin, dass die Erde an den Polen flacher war, als weiter südlich. Auf Spitzbergen reichte die Meßkette von Vesle Tavloya im Norden bis zum Keilhaufjellet im Süden und umfasste somit 4° und 13 Minuten.
Die russischen Forscher waren für den südlichen Teil der Triangulationskette verantwortlich und errichteten in den Jahren 1899 und 1900 eine große Station in Gashamna im Hornsund. Die Schweden waren für den nördlichen Teil zuständig und errichteten ihre Station an Crozierpynten im Sorgefjorden. Im August 1899 errichteten sie eine 3,5 Meter hohe Steinpyramide auf einem der Berge der Chydeniusfjellene, die von den Russen von Kapp Lee aus gesehen werden konnte. Es sollte aber fast zwei Jahre dauern, bis die gesamte Kette von Meßpunkten mit verläßlichen Werten eingemessen war. Die Steinpyramiden entlang der Meßkette sind heute noch erhalten und als historische Artefakte geschützt. Die beiden Stationen sind zwar in sehr schlechtem Zustand, dokumentieren aber die lange Forschungstradition auf Spitzbergen.
Die Messungen der Russen und Schweden wurden über 5 Sommer und eine Wintersaison hinweg durchgeführt – deutlich länger, als zunächst geplant. Vor allem schwierige Eisverhältnisse in der Hinlopenstraße führten immer wieder zu Verzögerungen.

Wanny Woldstad - eine Trapperin im Hornsund

Wanny war in den 1930 Jahren eine Taxifahrerin in Tromsö. Dabei hörte sie oft aufregende und exotische Geschichten von Trappern, die reich aus Spitzbergen zurückgekehrt waren. Nicht wenig von ihrem Geld liesen sie in Ölhallen, der Bar der Brauerei Mack, zu der sie mit dem Taxi fuhren.
Sie war zunehmend fasziniert von den Geschichten über das Leben in der Wildnis. „Die Geschichten, die ich hörte, erweckten nicht nur Interesse in mir, sondern ein tiefes Verlangen nach einem natürlichen Leben in dieser Wildnis...“
Im Jahr 1932 nahm sie sofort die Chance wahr, an einer Spitzbergenexpedition mit Anders Saeterdal teilzunehmen. „Innerhalb von zwei oder drei Tagen fand meine Verwandlung von einer Taxifahrerin in Tromsö zu einer Trapperin an Bord der Maiblomsten auf dem Weg nach Spitzbergen statt...“
Zunächst waren viele der erfahrenen Trapper gegenüber Wannys Teilnahme und ihren Fähigkeiten sehr skeptisch. Mit nur 157 Körpergröße war sie eine kleine Frau, aber zeigte Ausdauer und Geschick und zeigte bald, dass ihr diese Lebensweise auf den Leib geschnitten war. In den nächsten beiden Jahren brachte sie ihre Söhne Alf und Bjorvik Jacobsen nach Hyttevika im Hornsund, die später beide zu efahrenen Seeleuten in der Arktis wurden.
Wanny nutzte Hyttevika als ihre Hauptstation für alle fünf Überwinterungen auf Spitzbergen. Isbjönrhamna war die nächstgelegene Außenstation auf dem Weg in den östlichen Hornsund. Fuglefjell bei Gnalodden war ihre zweite Außenstation auf der Strecke.
In Hyttevika gab es eine Einrichtung zum Fang von Eisbären, die „Signal“ genannt wurde. „Signal ist eine einfache aber höchst wirksame Vorrichtung. Eine Stange von etwa 2 Metern höhe wird 60 bis 70 Meter von der Hütte entfernt in den Boden gesteckt. Ein Stück Speck wird auf halber Höhe mit einer kräftigen Schnur angebracht. Die Schnur läuft über eine Rolle an der Spitze der Stange zur Hütte und durch ein Loch in diese hinein. Dort ist die Schnur an ein Stück Holz gebunden, an dem einige leere Milchkannen hängen – die als Alarmglocken dienen.“ (Woldstad 1956)
Am 12. Dezember 1932 schoß die vierzigjährige Witwe, Mutter von zwei Kindern und Taxifahrerin aus Tromsö ihren ersten Eisbären nahe der Satellitenstation Fuglefjell. Mit der Zeit folgten noch weitere Bären.
Wanny Wolstad wird in vielen Büchern und Ausstellungen über das Leben von Trappern in der Arktis erwähnt. Im Polarmuseum in Tromsö kann man lesen: „Es gibt eine Frau, die sich von allen anderen abhebt – Wanny Woldstadt. Als ein gleichwertiger Partner unter den Trappern hat sie mehr Spuren als alle anderen Frauen auf Spitzbergen hinterlassen.“ Sie starb 1959 an den Folgen eines Autounfalls.